Vom jugendlichen Eifer
Kraft, Gefahr und Sendung im Licht der Katholischen Aktion
Jugendlicher Eifer ist kein Randphänomen, keine Laune des Alters und kein Problem, das man „überwachsen“ lassen sollte. Er ist eine Grundkraft des Menschseins. Wer ihn beobachtet, erkennt schnell: Er ist roh, stark, kompromisslos und voller Drang nach Bedeutung. Der junge Mensch will nicht bloß existieren – er will etwas riskieren, etwas verteidigen, etwas gewinnen. Wo dieser Eifer fehlt, fehlt dem Menschen ein wesentlicher Teil seiner Lebendigkeit.
Die Kirche hat diesen Eifer nie ignoriert. Im Gegenteil: Sie wusste immer, dass er entweder geformt oder verderbt wird. Neutral bleibt er nie.
Eifer als anthropologische Realität
Jugendlicher Eifer ist Ausdruck eines inneren Überschusses. Der junge Mensch spürt, dass in ihm mehr steckt, als der Alltag verlangt. Er erlebt Kraft, Mut, Tatendrang – oft noch ohne klare Richtung. Genau hier liegt sowohl seine Größe als auch seine Gefahr. Eifer sucht ein Ziel. Wird ihm kein würdiges Ziel angeboten, greift er nach jedem, das ihm Bedeutung verspricht.
Darum ist es ein Irrtum moderner Pädagogik, jugendlichen Eifer zu misstrauen oder ihn grundsätzlich zu bremsen. Wer ihn nur beruhigen, therapieren oder relativieren will, versteht ihn nicht. Der Eifer verschwindet dadurch nicht – er wendet sich nur gegen falsche Dinge: gegen sich selbst, gegen andere oder gegen jede Form von Ordnung.
Warum der jugendliche Eifer heute so oft entgleist
Unsere Zeit ist arm an großen, verbindlichen Zielen. Sie bietet jungen Menschen viele Reize, aber wenig Sinn. Statt Verantwortung gibt es Ablenkung, statt Sendung Selbstinszenierung, statt Opferbereitschaft permanente Absicherung. Der jugendliche Eifer stößt hier ins Leere.
Gleichzeitig wird er ideologisch aufgeladen: Er wird instrumentalisiert für kurzfristige Empörungen, moralische Überbietungswettbewerbe oder kollektive Angstnarrative. Der junge Mensch darf zwar „laut“ sein, aber nicht geordnet; er darf protestieren, aber nicht verantworten; er darf fühlen, aber nicht urteilen. So bleibt der Eifer unruhig, aggressiv oder erschöpft.
Die Weisheit der Katholischen Aktion
Genau hier setzt die Idee der Katholischen Aktion an. Sie entstand nicht aus Misstrauen gegenüber der Jugend, sondern aus tiefem Vertrauen in ihre Kraft. Unter Papst Pius XI. wurde sie bewusst als kirchlich beauftragte Laienbewegung geordnet, um den Eifer der Gläubigen – besonders der jungen – nicht dem Zufall zu überlassen.
Die Katholische Aktion erkannte: Jugendlicher Eifer braucht Form, nicht Unterdrückung. Er braucht Ordnung, nicht Entwertung. Und er braucht eine Sendung, die größer ist als das eigene Ego. Der junge Mensch soll nicht bloß „dabei sein“, sondern Verantwortung übernehmen – im Denken, im Handeln, im öffentlichen Zeugnis.
Vom ungestümen Drang zum positiven Eifer
Nicht jeder Eifer ist gut, aber jeder Eifer kann gut werden. Der entscheidende Schritt ist die Umlenkung. Jugendlicher Eifer muss vom bloßen Reagieren zum bewussten Handeln geführt werden. Von emotionalem Überschwang zu innerer Disziplin. Von Selbstausdruck zu Hingabe.
Die Kirche spricht hier vom geistlichen Kampf. Der Mensch steht im Spannungsfeld zwischen Wahrheit und Lüge, Ordnung und Chaos, Demut und Stolz. Der jugendliche Eifer findet hier sein eigentliches Feld. Nicht in der Zerstörung, sondern im Widerstand gegen das, was den Menschen innerlich zersetzt.
Kampf gegen die Mächte des Bösen
Wenn die kirchliche Tradition von den Mächten des Bösen spricht, meint sie eine geistige Realität: Hochmut, Verzweiflung, Entwurzelung, Angst, Maßlosigkeit. Der junge Mensch spürt diese Kräfte oft intuitiv, weiß aber nicht immer, wie er ihnen begegnen soll.
Der positive Eifer, wie ihn die Katholische Aktion versteht, richtet sich genau hierhin. Er kämpft nicht, um zu herrschen, sondern um standzuhalten. Er sucht nicht die Eskalation, sondern die Wahrheit. Er weiß, dass wahre Stärke nicht im Lärm liegt, sondern in Treue, Selbstbeherrschung und Klarheit.
Ordnung als Befreiung
Ein zentrales Missverständnis unserer Zeit ist die Gleichsetzung von Ordnung mit Einschränkung. Für den jugendlichen Eifer ist Ordnung jedoch keine Fessel, sondern ein Rahmen, in dem Kraft wirksam wird. Disziplin tötet den Eifer nicht – sie bewahrt ihn vor dem Verlöschen.
Die Katholische Aktion verstand sich immer als Schule dieser Ordnung: geistlich, moralisch und gemeinschaftlich. Der junge Mensch lernt, dass sein Eifer nicht ihm selbst gehört, sondern Gott. Dass er nicht alles fühlen muss, was er fühlt, und nicht alles tun muss, was er könnte.
Jugendlicher Eifer als Hoffnung der Kirche
Wo der jugendliche Eifer geordnet und geistlich ausgerichtet wird, entsteht etwas Seltenes: eine Generation, die nicht getrieben ist, sondern getragen. Menschen, die nicht aus Angst handeln, sondern aus Überzeugung. Die nicht dem Zeitgeist ausgeliefert sind, sondern ihm standhalten können.
Darum ist der jugendliche Eifer kein Problem, das gelöst werden muss, sondern eine Hoffnung, die bewahrt werden will. Die Katholische Aktion erinnert uns daran, dass diese Kraft nicht verloren gehen darf. Sie will nicht abschwächen, sondern formen. Nicht beruhigen, sondern aufrichten.
Denn wo jugendlicher Eifer Christus gehört, wird er nicht zerstörerisch, sondern schöpferisch. Nicht fanatisch, sondern treu. Nicht kurzlebig, sondern dauerhaft fruchtbar.